Eis, Smoothies und Melone im Sommer – was die TCM dazu sagt

Warum nicht alles was sich erfrischend anfühlt auch wirklich gut für deinen Körper ist.

Es ist heiß. Du greifst zur Melone, zum Smoothie mit Eiswürfeln, zum Eis. Fühlt sich genau richtig an – erfrischend, leicht, gesund.

Aber was wenn dein Körper das ganz anders erlebt?

Die Traditionelle Chinesische Medizin hat zu diesem Thema eine klare – und für viele überraschende Antwort. Und sie widerspricht dem was wir im Sommer als selbstverständlich betrachten.

Kalt ist nicht gleich kühlend

Was passiert, wenn du im Sommer zu viel Kaltes isst?

Das ist vielleicht das wichtigste Prinzip, dass du aus diesem Artikel mitnehmen kannst: In der TCM ist die Temperatur beim Verzehr nicht dasselbe wie die thermische Wirkung eines Lebensmittels auf den Körper.

Ein Lebensmittel kann kalt serviert werden und trotzdem wärmend wirken – oder heiß getrunken werden und trotzdem kühlend sein. Pfefferminztee zum Beispiel wirkt thermisch kühlend, auch wenn du ihn heiß trinkst.

Eiskalte Getränke und Speisen hingegen müssen vom Körper erst auf Körpertemperatur gebracht werden. Das kostet uns Energie, und schwächt dadurch unser Yang. Erfrischend im ersten Moment, kontraproduktiv auf Dauer.

Deine Milz und dein Magen sind in der TCM die Organe der Mitte – verantwortlich für Verdauung, Blutproduktion und die Umwandlung von Nahrung in Energie. Sie mögen keine Kälte.

Wer im Sommer also zu viel thermisch Kaltes isst und trinkt, besonders wenn die Mitte ohnehin schon geschwächt ist, schwächt sie dadurch weiter. Wenn deine Milz geschwächt ist schwächt das auch unser Abwehr-Qi dies führt dann zu einem geschwächten Immunsystem.

Die Folgen können sein:

  • Blähungen, Völlegefühl, träge Verdauung, weicher Stuhl
  • Müdigkeit und Antriebslosigkeit
  • Wassereinlagerungen
  • Geschwächtes Immunsystem – besonders spürbar wenn der Herbst kommt
  • Verstärkte Kälteneigung: kalte Hände und Füße auch im Sommer

Sommerfrüchte – was die TCM dazu sagt

Sommerfrüchte sind aus TCM-Sicht nicht pauschal gut oder schlecht – sie haben sehr unterschiedliche Eigenschaften, die wir gezielt in der TCM einsetzen.

Melone: thermisch kalt

Die Melone wirkt thermisch kalt. Sie kühlt innere Hitze, hilft bei Sommerhitze mit Fieber, Schwitzen und Unruhe und stillt den Durst. Also wenn du zu Hitze-Thematiken neigst oder es draußen wieder einmal über 30 Grad hat, ist eine Melone durchaus angezeigt. 

Aber Vorsicht bei Kälte der Mitte mit Feuchtigkeitsthemen oder Durchfall, hier sollten die Melonen eher gemieden werden. Generell empfiehlt sich aber die Melone vorher anzubraten oder als Kompott zu genießen, denn so ist sie leichter verdaulich, kühlt sanft und schwächt die Mitte nicht zu sehr.

Ananas: neutral mit Tendenz zur Kühle

Die Ananas wirkt thermisch neutral bis leicht kühlend, hilft bei Trockenheit und stillt den Durst. Sie ist damit im Sommer besser verträglich als die Melone. Auch hier empfiehlt es sich, die Ananas zum Beispiel bei einer Paella zum Schluss kurz mitzugaren, um sie verträglicher zu machen.

Beeren: thermisch kühl – und besonders wertvoll

Erdbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Ribisel und Schwarzbeeren wirken thermisch kühl und nähren das Blut – besonders die dunklen Beeren. Je saurer die Beere, desto mehr bewahren sie die Körpersäfte – das hilft, dass wir nicht so stark schwitzen im Sommer. Deshalb sind sie in dieser Jahreszeit wenn sie reif sind genau richtig – in Maßen genossen und am besten bei Zimmertemperatur, nicht eisgekühlt. Bei Qi- oder Blut-Stagnationen lieber sparsam verwenden.

Pfirsich und Marille: Tendenz zur Wärme

Das überrascht die meisten: Diese Obstsorten sind thermisch warm. Wobei der Pfirsich wärmer als die Marille ist. Beide sind gut um deine kostbaren Körpersäfte zu nähren. Der Pfirsich hat zusätzlich noch die Eigenschaft Stagnationen zu lösen. Die Marillen befeuchten deine Lungen und helfen bei Husten. Aufgrund ihrer Tendenz zur Wärme solltest du sie bei Hitze-Prozessen eher vermeiden bzw. nur selten verzehren.

Banane: thermisch kalt

Die Banane wirkt thermisch kalt, befeuchtet den Darm und kühlt Hitze im Magen. Bei Sodbrennen oder trockenem Darm kann sie hilfreich sein, bei Kälte der Mitte, Schleimproblemen oder Durchfall aber unbedingt vermeiden. Genau aufgrund dieser Wirkung ist sie in Smoothies eher problematisch: Kalt serviert, thermisch kaltes Obst und in großen Mengen wirkt das stark befeuchtend. Dazu aber gleich noch mehr.

Smoothies – gut gemeint aber oft problematisch

Smoothies gelten als gesund und leicht. Aus TCM-Sicht sind sie gleich aus zwei Gründen problematisch:

Erstens: Die am häufigsten verwendeten Obstsorten wie Banane, Ananas, Grapefruit, wirken kühl bis kalt und befeuchtend. Das schwächt die Milz.

Zweitens: Ein Smoothie enthält sehr viel Obst und daher auch viel Fruchtzucker. Fruchtzucker bzw. Zucker im allgemeinen wirkt ebenfalls befeuchtend und belastet die Milz zusätzlich.

Das bedeutet nicht, dass du nie wieder einen Smoothie trinken darfst. Achte einfach mal wie dein Körper darauf reagiert. Im Sommer wird er wahrscheinlich besser damit klar kommen als im Winter. Auch Smoothie-Varianten mit Gemüse, am besten auch gekochten Gemüsesorten wäre eine Milz-freundlichere Alternative. 

Was du stattdessen tun kannst

Die gute Nachricht: Du musst nicht auf Frisches verzichten. Du musst nur wissen wie du es einbaust.

Dazu verrate ich dir hier meine TCM-Tipps:

  • Melone und andere Südfrüchte wie Ananas kurz andünsten, anbraten oder als Kompott zubereiten statt roh und eiskalt
  • Beeren bei Zimmertemperatur genießen, nicht direkt aus dem Kühlschrank
  • Rohes Gemüse und frischen Salat mit gekochten Elementen kombinieren, zum Beispiel gedünstetes Wurzelgemüse mit frischem Blattsalat und Tomaten kombinieren
  • Smoothies durch lauwarme Gemüsesuppen ersetzen, oder zumindest auf Gemüse-Basis umstellen
  • Eiswürfel und Eisgetränke meiden, lauwarmes Wasser oder Pfefferminzwasser sind die bessere Wahl wenn die Sommerhitze glüht

Zum Schluss noch ein letzter Gedanke, der mir besonders wichtig ist

TCM-Ernährung bedeutet nicht Verzicht. Es bedeutet Bewusstsein.

Wenn du weißt was ein Lebensmittel in deinem Körper bewirkt, kannst du bewusstere Entscheidungen treffen, ohne Verbote, ohne Dogma.

Und manchmal ist ein Eis im Sommer einfach ein Eis. Aber wenn du merkst, dass du danach vielleicht müder bist oder dein Bauch rebelliert, dann verstehst du jetzt vielleicht was dahinter stecken kann.

Wenn du verstehen möchtest was das konkret für deine Ernährung und deine Beschwerden bedeutet, begleite ich dich gerne in einer 1:1 Beratung.

Alle Infos findest du auf meiner Website:

Bis zum nächsten Artikel – ich wünsche dir noch einen schönen Juli!

Alles Liebe, Margarete

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