Warum manche den Sommer kaum genießen können – und was wirklich dahinter steckt.
Kennst du das? Du schläfst schlecht, obwohl du müde bist. Dein Herz schlägt unruhig. Die Hitze macht dir mehr zu schaffen als Anderen. Und irgendwie bist du innerlich aufgewühlt, zerstreut, ohne richtige Freude, obwohl der Sommer doch eigentlich die Zeit der Begegnung, des Spaßes und des Genusses ist.
Das sind keine übertriebenen Empfindungen von dir. Dein Körper will dir damit etwas mitteilen.
Und die Traditionelle Chinesische Medizin hat dafür eine sehr konkrete Erklärung und ebenso konkrete Antworten.
Der Sommer in der TCM – die Wandlungsphase Feuer
In der TCM ist der Sommer der Wandlungsphase Feuer zugeordnet. Im Mittelpunkt dieser Phase steht die Öffnung nach außen – vom ICH zum DU. Liebe, Freude, Leidenschaft, Begegnung. Es ist die Zeit der Fülle, der Feste und der Verbundenheit. Die Energie fließt nach oben und in alle Richtungen und das Leben erreicht seinen Höhepunkt im Jahr.
Das dem Feuer zugeordnete Organ ist das Herz und sein funktioneller Partner der Dünndarm. Das Herz beherbergt in der TCM den SHEN unseren Geist, unsere Bewusstseinskraft, unsere Fähigkeit zu klarem Denken, Sprechen und echter Verbundenheit.
Bei einem gesunden Feuer fällt uns das Lachen leicht. Wir sind offenherzig, finden schnell Kontakt, haben Esprit und geistige Klarheit.
Was passiert, wenn das Feuer aus dem Gleichgewicht gerät?
Ist das Feuer gestört, zeigt sich das nicht nur körperlich, sondern auch auf seelischer Ebene. Und genau hier liegt ein Zusammenhang den die Wenigsten kennen.
Wenn der Shen, also der im Herz beheimatete Geist, nicht ausreichend genährt ist, entstehen typische Zeichen:
- Schwierigkeiten einzuschlafen oder ein unruhiger Schlaf
- Geistige Müdigkeit, Zerstreutheit
- Neues wird begonnen aber nicht zu Ende gebracht
- Innere Unruhe, leichte Reizbarkeit
- Freude die irgendwie nicht wirklich fließen will
- Herzklopfen oder Herzrasen
Das sind keine Charakterschwächen. Das sind Signale eines Körpers, dessen Feuer gerade zu viel trägt und zu wenig Nährendes bekommt.
Der Shen braucht ausreichend Blut um gut verankert zu sein. Blut gilt in der TCM als flüssiger Ausdruck des Herzens. Fehlt es an Blut, Yin oder kostbaren Körpersäften, welche unseren Körper kühlen, kann das Feuer im wörtlichen Sinne unkontrolliert brennen. Und genau das spüren viele Frauen im Sommer.
Warum manche Hitze nicht vertragen – Blut-, Yin- und Säftemangel
Der Körper braucht ausreichend Körperflüssigkeiten um sich selbst zu kühlen. Wenn zu wenig Yin und Blut vorhanden sind, kann er die äußere Hitze nicht mehr ausgleichen.
Das Ergebnis:
- Starke Hitzeempfindlichkeit
- Übermäßiges Schwitzen
- Herzrasen oder Herzstolpern
- Erschwertes Einschlafen, seichter Schlaf
- Trockene Schleimhäute, starker Durst
- Nervös, Rastlos, innere Unruhe
- Konzentrationsschwäche
- Wortfindungsstörung
- Emotional dünnhäutig, sensibel, schreckhaft
Wichtig zu wissen: Auch im Sommer ist es wichtig auf die Mitte – die Milz zu achten. Wer jetzt auf Eiswürfel, kalte Smoothies und große Mengen an Rohkost setzt, schwächt das Organ das für die Produktion von Blut und Qi verantwortlich ist. Das ist einer der häufigen Ernährungsfehler im Sommer, gut gemeint, aber kontraproduktiv.
Ein weiterer Punkt der viele überrascht: Eiskalte Getränke kühlen den Körper nicht so effektiv wie gedacht. Der Körper muss eiskaltes Wasser erst auf Körpertemperatur bringen, das kostet Energie und kann sogar dazu führen, dass wir mehr schwitzen und dadurch mehr Flüssigkeiten verlieren. Lauwarmes oder kühles Wasser mit Zimmertemperatur, ist im Sommer die bessere Wahl – aus Sicht der TCM sowieso, weil es die Milz schont und die Körpersäfte nicht belastet.
Was du im Sommer essen solltest
Das Grundprinzip der TCM-Sommerernährung lautet: saftig, leicht, mild gewürzt. Die Lebensmittel dürfen kühler sein als im Winter, aber nicht kalt.
Besonders geeignet:
Sommergemüse/-obst: Melone, Gurke, Tomaten, Zucchini, Pilze, Paprika. Diese sind von Natur aus wasserhaltiger und wirken thermisch kühlend bis neutral, perfekt um den Körper von innen zu erfrischen.
Blutaufbauendes: Mangold, Blattspinat, rote Rüben
Blattsalate: Rucola, Chicoree, Radicchio mit ihren absenkenden Bitterstoffe unterstützen das Herz und helfen dem Körper, Hitze nach unten abzuleiten.
Säfte bewahrendes: Zitronenwasser, frische Beeren und andere saure Lebensmittel bewahren das Blut und die Körpersäfte, ein oft übersehener Aspekt der Sommerernährung. Ein Glas Lauwarmes Wasser mit frischem Zitronensaft kann im Sommer sehr wirkungsvoll sein.
Bitter und kühlend: Pfefferminztee, Zitronenmelissentee, grüner Tee. Nicht umsonst wird Pfefferminztee in südlichen Ländern als sommerlicher Durstlöscher eingesetzt, er wirkt thermisch kühlend, auch wenn er heiß getrunken wird. Ein Krug Wasser mit frischer Pfefferminze oder Zitronenmelisse aus dem Garten ist ideal für heiße Tage.
Getreide: Amaranth, Quinoa, Roggen, Buchweizen. Diese sind thermisch neutral bis leicht kühlend und geben dem Körper Substanz ohne ihn aufzuheizen.
Frische Beeren in Maßen: Himbeeren, Erdbeeren, Johannisbeeren. Sind im Sommer reif, leicht sauer, blutaufbauend, genau richtig für diese Jahreszeit.
Wichtiger Hinweis: Wer zu Stagnationen neigt sollte saure Lebensmittel sehr sparsam bis gar nicht verwenden. Denn dadurch könnten sich Symptomatiken wie Kopfschmerzen, kalte Hände, klumpiges Mens-Blut, Unterleibsschmerzen oder Stimmungsschwankungen verschlechtern.
Was du im Sommer meiden solltest
Genauso wichtig wie die richtige Lebensmittelwahl ist das Meiden von Lebensmitteln die das innere Feuer weiter anheizen. Aus TCM-Sicht sind das im Sommer vor allem:
Thermisch heiße Lebensmittel und Gewürze:
- Lamm, Hammel, Schaf
- Scharfe Gewürze wie Pfeffer, Chili, Ingwer, Curry, Nelken, Kardamom
- Warme Gewürze wie Rosmarin, Thymian und Bohnenkraut
- Knoblauch und Zwiebel
- Alkohol, Kaffee, Yogi-Tee
Ein wichtiger Hinweis: Die Meidungsliste ist keine absolute Regel. Wer grundsätzlich eher friert oder eine kältere Konstitution hat, kann manche dieser Lebensmittel auch im Sommer gut vertragen. TCM-Ernährung ist immer individuell.
Wie du im Sommer kochst – die Zubereitungsart macht den Unterschied
Grillen und langes heißes Kochen sind für den Sommer eher ungeeignet, da sich hierbei viel Energie in den Lebensmitteln speichert, wodurch der Körper beim Verzehr gewärmt wird. Stattdessen wird das Dämpfen und Dünsten empfohlen.
Alle wässrigen Kochmethoden wie Blanchieren, Dünsten und Kochen mit Flüssigkeiten wirken auf den Körper yinisierend, sie kühlen und unterstützen den Aufbau der Körperflüssigkeiten.
Was das für deinen Alltag bedeutet
Du musst den Sommer nicht leiden. Du musst auch nicht auf alles verzichten.
Aber wenn du merkst, dass du schlecht schläfst, dein Herz unruhig ist, die Hitze dich mehr belastet als Andere, dann lohnt es sich genauer hinzuschauen. Oft sind es kleine gezielte Anpassungen in der Ernährung die einen großen Unterschied machen.
- Ein Glas Zitronenwasser am Morgen statt Kaffee.
- Ein Krug Pfefferminzwasser statt Cola.
- Gedünstetes Gemüse statt Grillgut.
- Frische Beeren statt Schokolade.
Klingt unspektakulär. Macht aber einen Unterschied, wenn du weißt warum du es tust.
Wenn du verstehen möchtest was hinter deinen persönlichen Sommerbeschwerden steckt, und wie deine Ernährung konkret aussehen könnte, begleite ich dich gerne in einer 1:1 Beratung.
-> Alle Infos auf meiner Website
Bis zum nächsten Artikel – ich wünsche dir einen angenehmen Start in den Sommer!
Alles Liebe, Margarete